Review: The Bird in Cologne

The Bird in Cologne

The Bird in Cologne – Amerikanischer Burger-Chic in Köln.

Srsly, Burger in Toasties? “the bird” spaltet mit handelsüblichen Frühstücks-Toasties als Brötchenersatz schon lange die ganze Burgernation. Meine Kritik.

Ich muss zugeben, dass ich schon ziemlich skeptisch ins “The Bird in Cologne” ging. Mit Wurzeln in Berlin und Hamburg startete Ende 2014 in Köln die vierte Dependance des Burgerladens. Zentral auf der Aachener Straße gelegen findet man seither im stylischen Ambiente verschiedene Burger und Steak-Cuts. Ich hatte mir vorab ein paar Punkte überlegt, die ich thematisieren wollte: Neben dem ansehnlichen Steakangebot kreisten meine Gedanken aber immer wieder um das “Bun”. Um Antworten aus erster Hand erhalten zu können traf ich mich mit Geschäftsführer Philipp Ghadri im Gastraum des Restaurants.

Die Karte im “The Bird in Cologne” ist relativ vielseitig und bietet verschiedene Gerichte der amerikanischen Küche. Besonders ist, dass die Steaks in 100 Gramm-Schritten abgerechnet werden: eine Gruppe mit fünf Leuten kann demnach ein Rib-Eye Steak von 2kg am Stück bestellen. Sexy!

Besonders gefallen haben mir auch die Anmerkungen, die ich einmal abfotografiert habe: “At least try eating the damn burger with your hands.” und “And for God’s sake don’t order your meat well done.” – Obgleich ich erstere Aussage mit einem Schmunzeln lese, unterstütze ich “dont order your meat well done” mit voller Kraft. ;-)

Die Karte hat einen deutsch- und einen englischsprachigen Teil. Ich habe aber ganz bewusst den englischen Teil abfotografiert, denn neben der besser entstehenden Atmosphäre eines amerikanischen Burgerstores spiegelt die direkte, vielleicht saloppe Aufforderung in erster Linie aber das Konzept der Speisen wider: Ehrliches Essen mit Fokus auf dem Fleischgeschmack.
Ich kannte Burger von “The Bird in Cologne” bisher nur von Fotos auf Facebook, aber schon auf den Bildern war für mich sichtbar, dass die Burger vermutlich nicht nur durch die “perverse” Optik überzeugen. Aber da war ja noch das Bun, dieser komische englische Muffin. Mit Augenmerk auf die verwendeten Zutaten und deren Qualität durfte ich im weiteren Gespräch dann einen Blick in die Küche werfen. Als ich dann die Toasties sah, ergab sich die Möglichkeit zum Angriff:

Warum die Toasties?

Geschäftsführer Philipp Gadri erzählte mir dabei den Werdegang der Toastie-Geschichte in Köln, die ich zum Teil auch so von außen mitverfolgen konnte: Als das Restaurant in Köln eröffnete, wurden – wie in den anderen Restaurants in Berlin und Hamburg – die Toasties als Burgerbuns serviert. Da Köln mit seiner vielfältigen Burgerszene aber schon etwas verwöhnter ist, war das Feedback zu den Toasties in den ersten Monaten entsprechend kritisch. Als Reaktion wurden dann zuerst eigene Brötchen gebacken und später ein Bäcker beauftragt, aber auch diese zwei Brötchenvarianten haben die Kunden schlussendlich nicht zufrieden stellen können. Viele gaben sogar an, dass dem Burger nun “das gewisse Etwas” fehlen würde. Der Burger war, so Philipp Gadri, vielen Gästen so auch zu schwer. Da die Patties auf den Burgern 250g Kampfgewicht haben (Das sind über 25% mehr Fleisch als in anderen Restaurants üblich), wirkt das für mich auch durchaus nachvollziehbar. Das verwendete Fleisch sei außerdem Färsenfleisch, was den Burger durch ausgewählte Qualität besonders lecker, zart und saftig machen soll. Während Philipps Ausführungen konnte ich ich dem “Making Of” verschiedener Burger anderer Gäste folgen.

Der Grill mit argentinischen V-Rosten und wirklich brutaler Hitze hat mein Herz höher schlagen lassen. Das Fleisch und dessen Fettanteil sahen ziemlich ordentlich aus – Gute Voraussetzungen für einen saftigen Burger! Der Duft von Röstaromen beim grillen war betörend und steigerte meine Vorfreude auf den Cheeseburger, den ich im Anschluss an das Gespräch noch essen wollte. Gänzlich amerikanisch wird auch angerichtet, denn frischer Salat, Tomate und Gurke liegen auf dem Teller zum Selbstbelegen bereit. Die Gurke ist, soviel sei vorweggenommen, ziemlich lecker.

Zurück im Gastraum angekommen war ich ziemlich gespannt, ob die Eindrücke aus der Küche auch erfolgreich auf den Burger übertragen werden konnten. Von Schmelzkäse auf Burgern halte ich nicht so viel, also habe ich bei der Bestellung des Cheeseburgers namens “Ghetto Deluxe” ohne Aufpreis zum Cheddar gewechselt. Nach wenigen Minuten kam dann der Burger an, und beim ersten Bissen hätte es mir fast den Kopf zerberstet: System Overload.

Hatte nicht ich in den letzten Jahren in der Burgerszene stets behauptet, dass ein guter Burger nur in einem hervorragendem Bun funktioniert? Dass das Bun (neben dem Fleisch natürlich!) einer der wichtigsten Faktoren für Genuss und gutes Handling ist?

Ich lag jahrelang falsch.

Der erste Bissen in den “Ghetto Deluxe” füllt den ganzen Mundraum mit unbeschreiblich kräftigem Fleischgeschmack. Volle Röstaromen und eine feine Salzkruste spielen in perfekter Balance mit der cremigen Umami-Masse des Fleisches. Eine leicht buttrige Note, die ich sonst z.B. von New York Style Steaks kenne, macht das Essen saftiger, zarter und vollmundiger. Sogar so vollmundig, dass ich erst nach einigen weiteren Bissen wieder Worte fand. Und mit den ersten Worten fiel mir auf, dass ich das Toastie-Bun schon wieder gänzlich vergessen hatte. Dieses jene Toastiebrötchen, welches vorab mein größter zu erwartetender Minuspunkt war, mausert sich plötzlich zum Pluspunkt. Warum? Ich nenne es den “Scheiss-Auf‘s-Bun-Faktor”, der auch ein wichtiger Aspekt für meine Bewertung bildet.

Das süßliche Toastie dominiert nicht den Geschmack, es überlagert nichts, hat ein unerwartet gutes Handling und – das ist für mich das wichtigste Argument – trägt den Fleischgeschmack auf Händen. Der “Ghetto Deluxe” hat keine Soßen, nur Käse. Alles saftige im Mund entsteht also durch das Fleisch – Und dieses Mundgefühl sucht in Köln für mich seines Gleichen.

Abseits des Burgers hingegen misfällt mir die Preispolitik auf vielen Ebenen, über Social Media-Kanäle werden auch schonmal Bilder gepostet, die von Bloggern und Instagram-Usern ungefragt „ausgeliehen“ werden – Heutzutage ein digitaler fauxpas.

Beilagen und Toppings 5
Buns 2
Fleisch: Gargrad 5
Fleisch: Geschmack 5
Sossen und Gewürze 4
Preis/Leistung 4
"Scheiss-Auf's-Bun-Faktor" 4

Fazit: Unbedingt ausprobieren!

War ich vorher schon einFreund von minimalistischen Burgern, kann ich hier mit Fug und Recht bestätigen: Weniger ist manchmal mehr. Und hier ist weniger viel mehr. Ich kenne dreckige, fettige Hamburger aus den USA und habe sie dort, so unästethisch sie häufig aussehen, geschmacklich lieben gelernt. Unästhetisch mag erstmal negativ konnotiert klingen, das soll es aber in diesem Kontext absolut nicht heißen: Die Burger beschreiben viele Fans in den Kommentaren auf Facebook “pervers”, “pornös”, “geil” und “fett”. Dieses dreckige, vielleicht etwas verruchte Antlitz des Burgers macht aber gleichzeitig den Style und Chique aus: Das Essen ist ehrlich, man bekommt, was man sieht. Ohne Schnick-Schnack eben. Und wie viele die Optik beschreiben, so schmeckt der Burger auch. Auf’s Wesentliche beschränkt, puristisch und mit so hoher Qualität der Einzelzutaten, sodass keine weiteren optischen oder kulinarischen Aufwertungen nötig sind. Die hausgemachten Fries, die es zu jedem Burger gibt, sind lecker, in meiner Gewichtung aber nur Statisten. Der Protagonist ist das Patty, und man sollte die Filme im “The Bird in Cologne” als Burgerliebhaber unbedingt mal gesehen haben. ;-)

4.1Gesamtbewertung: 4.14
Review: The Bird in Cologne

8 Kommentare

  • Interessant zu lesen.
    Mich hat The Bird burgertechnisch leider nicht überzeugt.

    Ich war einst in Hamburg und habe nach dem „besten“ Burger gegooglet. Bin dann auf The Bird gestoßen.
    Gegencheck: Bei Google nach dem besten Burger Kölns gesucht. Mein Lieblingsladen Fette Kuh war immer recht weit oben. Also ging ich mit gutem Gefühl mit meiner Freundin da hin. Naja, wir waren beide enttäuscht. Ist zu lange her, als dass ich mich da noch an Details erinnern kann.

    Als wir vor einigen Monaten eigentlich zu den Beef Brothers wollten, war es da mal wieder viel zu voll. Auf dem Weg dahin ist mir dann aufgefallen, dass es gegenüber neuerdings auch The Bird gibt. Also sind wir da hin.

    Als erstes fallen die heftigen Preise auf. Ich meine die Burger waren alle über 10€. Die Steaks unbezahlbar.
    Ich hatte mich dann für einen Burger entschieden. Den Spruch mit dem mit-den-Händen-essen empfand ich als zynisch. Sieht man ja auch auf deinen Fotos. MMn ist das Brötchen viiieeel zu klein für das Riesenstück Fleisch. Es ist selbst mit Besteck so gut wie möglich, dass so zu essen, dass man von allem etwas in den Mund bekommt…
    Das Fleisch selber war allerdings beste was ich je gegessen habe. Als Burger hat es für mich aber einfach nicht funktioniert.

    Was ich allerdings geil fand waren die Chili Cheese Pommes. Ich denke da war das Fleisch das Gleiche und davon reichlich. Das war einfach eine Geschmacksexplosion!

    • Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar bzw. Erfahrungsbericht, Chris! Die Preise sind in der Tat etwas höher, aber man bekommt schon gute Qualität – besonders beim Fleisch, da bin ich total bei Dir. Burger mit der Hand sind oft eine Sauerei, gerade beim Bun ist die Nation gespalten. Manchmal darf’s auch Sauerei sein! ;-) Meines Wissens nach hat The Bird in Berlin sogar US Beef im Patty, vielleicht einfach da nochmal Dein Glück probieren. ;-) LG

  • Hey Thomas,

    nachdem ich jahrelang auf das Berliner Bird geschimpft hab, einerseits wegen der Toasties und generell der Einfallslosigkeit (darf man aber auch ‚pur‘ nennen), zugegebenermaßen aber auch weil das ganze Prenzlberg Hipster-Volk da so unkritisch hinrannte, weil ja der Hipster von nebenan da auch hinrennt, hat mich dein Artikel jetzt aber doch neugierig gemacht. Ob ich dem Laden, von dem ich gar nicht wusste, dass es ne Kette ist, hier in Köln noch mal ne Chance gebe? Um gegen den Teriyaki-Burger der ‚Fetten Kuh‘ zu bestehen, müssen die aber ganz schön treffen.
    Witzige Randnotiz: Die Gurke vom Bird hab ich immer explizit aus meinem Geschimpfe ausgeschlossen. ;-)

    • Hi Max, Danke für Deinen Kommentar! Der Vergleich zur fetten Kuh ist aber schwierig. Wie würde ein Burger dort schmecken, wenn er so puristisch wäre wie beim Bird und eben nicht von verschiedenen Soßen und Beilagen getragen würde? Der Teriyaki-Burger ist übrigens wirklich gut. ;-) VG

  • Hi Thomas, interessante Ansichten zum Bird. Ich war vor einiger Zeit mal dort in Hamburg und fand es echt mies. Der Kölner Location muss ich bei Gelegenheit wohl mal eine neue Chance geben, auch wenn ich mich mit dem Toasty einfach nicht anfreunden kann….

    • Hi Thorsten! In Köln gibt’s, soweit ich weiss, auch (wieder?) normale Buns auf Anfrage. Das Fleisch ist super, das Toastie ist halt eine Sache für sich. Kann total verstehen, wenn sich da auch nach dem Besuch in Köln nichts dran ändert. ;-) VG!

  • Es ist echt beeindruckend, wie du das Erlebnis von mir und mehreren Bekannten wiedergegeben hast. The Bird scheint echt die Menge zu spalten. Ich persönlich finde ja, dass das Fleisch immer im Vordergrund stehen sollte und da muss der Laden dann echt liefern. Da darf so ein Bun gerne mal zurückstecken, auch wenn es trotzdem wichtig für einen guten Burger ist. Viele der Bird-Kritiker beschweren sich ja im gleichen Atemzug, dass ihr Patty nicht durch war. Da lese ich dann meistens nicht weiter. :) (Muss ja nicht jeder medium rare bestellen, aber der Gargrad wird da halt im Gegensatz zu anderen Läden fast immer genau getroffen und man bekommt das, was man bestellt.)

    Auf jeden Fall exzellent beschrieben! Die Hintergrundinfos waren neu für mich und die Fotos haben das noch mal schön unterstrichen.

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