Vorstellung der Weber Genesis II-Serie

Weber Genesis II Vorstellung - Temperatur und Verarbeitung

Mit der neuen 2017er Serie des Weber Genesis II und der LX-Premium Version hat Weber gezeigt, dass auch beim wohl größten Grillhersteller weltweit die Zeit nicht stehen bleibt.

Weiterentwicklung. Das ist ist wohl das Stichwort der neuen Weber Genesis II-Serie, bei der sich zum Vorgängermodell Genesis einiges geändert hat. Weber hat ein paar Blogger ins Ingeleheimer Hauptquartier eingeladen und die neuen Modelle vorgestellt.

Gasgrill Weber Genesis II

Allgemeines

Übersicht Preise für den Weber Genesis II in all seinen Varianten.
Preisübersicht – Klicken zum vergrößern.

Von zwei bis maximal sechs Brennern bedient der Weber Genesis II kleine Singlehaushalte bis hin zu größeren Familienfesten. Der Genesis II kommt in einer Standard-Ausführung und in einer LX-Version, die das Premiumsegment bedienen soll. Dementsprechend kann sich der Preis bei unzähligen Variationen zwischen 799,- EUR und 2999,- EUR einpendeln. Alle Grills sind iGrill 3-kompatibel und kommen standardmäßig mit dem GBS-System. Bei Leuten, die das iGrill-Thermometer nicht nutzen möchten, bleibt der Slot unbenutzt.

Die Optik

Auf den ersten Blick fallen einem, verglichen mit dem Vorgängermodell, mehrere Änderungen auf. Das LX-Modell hat einen verschließbaren Unterschrank, aber auch beim Standardmodell hat man dort nun Ablagefläche: Die Gasflasche ist jetzt nicht mehr direkt unter der Grillfläche, sondern leicht seitlich angebracht. Unter der Grillkammer entsteht so etwas an neuer Ablagefläche im Vergleich zum Vorgängermodell. Durch die Fettschale, die jetzt unter der Grillkammer steht, kann man aber nur die Bodenfläche sinnvoll nutzen.

Weber Genesis II LX

Zudem sorgen größere Räder für eine bessere Mobilität und mehr Stabilität. Das größere Augenmerk fiel bei mir aber auf den iGrill-Slot, der das per App steuerbare Thermometersystem wetterfest und unsichtbar verstaut. So kann auch die Arbeitsfläche am klappbaren Seitenteil effizienter genutzt werden.
Der Deckel hat durch eine Verlagerung des Schwerpunktes eine verbesserte Ergonomie, allgemein wirkt die Verarbeitung besser und schwerer.
Das LX-Modell hat zudem einen leicht erhöhten Garraum, einen Seitenbrenner, sowie beleuchtete Knöpfe und beleuchtete Bedienfelder. Außerdem findet man bei der Weber Genesis II LX-Variante nun eine “High+”-Einstellung, die für besonders hohe Temperaturen sorgen soll und die bisher bekannte “Sear Station” ersetzt. Das bekannte Rost ist in der LX-Variante im Standardumfang, die Versionen von vier bis sechs Brennern können mit dem Rost und einer zusätzlichen Griddle Plate, einer Grillplatte, nachgerüstet werden.

Die inneren Werte

Weber Genesis II Vorstellung - Temperatur und Verarbeitung
Weber Genesis II – Rost und tuck away-Feature

Unter der Haube verstecken sich ein paar Neuerungen. Zuerst wäre da die klappbare, zweite “tuck away”-Grillebene. Durch die Erhöhung, die man auch von anderen Grillherstellern kennt, kann man Gargut abseits vom heißen Rost nachgaren. Durch das Herunterklappen dieser Erhöhung kommt man mit der Bürste besser in die Ecken, was die Reinigung erleichtert, außerdem kann man so auch Spieße und anderes Grillgut einhängen. Es mag eine Kleinigkeit sein, aber mit dieser Kleinigkeit kann man einiges mehr mit dem Gasgrill anstellen.

Außerdem wurde das Fett-Auffangsystem verändert. Dieses befindet sich nun unterhalb der Garkammer und verhindert so Fettbrand.

Mit dem sogenannten “Hochleistungs-Grillsystem GS4” hat sich auch die Verbrennung im Vergleich zum Vorgängermodell geändert. Mit der stufenlosen Gassteuerung an der Front wird der Grill jetzt sensibler geregelt, zudem gibt es eine High+ Funktion für maximale Leistung.

Bei der LX-Variante ist zudem ein manuelles Erzeugen eines Zündfunkens nicht mehr nötig, dieser entsteht jetzt beim Betätigen der Gaszufuhr automatisch.

Weber Genesis II Brenner, links 2. Generation, rechts Brenner der 1. Generation
Weber Genesis II Brenner: links 2. Generation, rechts Brenner der 1. Generation

Eine weitere Änderung an der gesamten Weber Genesis II-Serie ist aber die Technik der Brenner selbst. Diese sind jetzt leicht keilförmig und nicht mehr rundlich, dadurch soll das Gas gleichmäßiger ausströmen. Die Flammen schlagen durch die Öffnungen nicht seitlich heraus, sondern nur auf der Oberseite. Das belastet das Material weniger und die Brenner sollen langlebiger sein als Modelle, bei denen die Flammen seitlich angeordnet sind – Das war aber auch schon beim Genesis der ersten Generation so.

Mit den gerade angeordneten Flammen werden die V-förmigen, sogenannten “Flavorizer Bars” über dem Brenner effizienter und gleichmäßiger aufgeheizt. Die Flavorizer Bars fangen Fett auf, das auf ihnen verbrennt und somit Rauch produziert. Das verstärkt den typischen Grillgeschmack.

Der Weber Genesis II in der Praxis

Whiskey Karamell Soße aus dem WokNach der Vorstellung konnten wir am folgenden Tag eine Auswahl verschiedener Genesis II-Modelle selber anheizen und ein paar Gerichte grillen. Tief im Januar bei Temperaturen knapp über 0°C und zügigem Wind kamen einige Grills der Bloggerkollegen scheinbar nur langsam auf eine hohe Garraumtemperatur jenseits der 250°C. Ich habe an einem Weber Genesis II mit sechs Brennern eine Karamell-Sahne-Sauce im Wok eingekocht und drei Brenner genutzt. Weil der Wok in ein Rost eingesetzt wurde, ist er natürlich auch etwas näher am Brenner und den Flavorizer Bars. Dadurch wird der Wok etwas schneller heiß als das Rost. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass das Aufheizen unter Volllast etwas länger gedauert hat, als ich das von anderen Modellen gewohnt bin.

Würde ich diese Erfahrung jetzt unkommentiert so stehen lassen, hätte ich nur die halben Hausaufgaben gemacht.  ;-) Ich habe mich gefragt, warum die Grills so reagierten. Ich konnte mir nicht erklären, dass die nicht ungewöhnlichen Wetterbedingungen eines typischen Januars einem Weber-Grill so zu schaffen machen können. Mit den folgenden Thesen möchte ich deswegen der augenscheinlich fehlenden Leistung einmal auf den Grund gehen.

Punkt 1: Die äußeren Bedingungen

Wie gesagt, es war schweinekalt und ziemlich windig. Der Gasdruck könnte deswegen vermindert gewesen sein und die Brenner liefen dadurch nicht ganz auf 100%iger Leistung. Die Grills wurden häufig geöffnet, damit jeder seine Fotos machen konnte – Da geht natürlich auch viel Temperatur verloren. Durch die stärkere Materialverarbeitung und das höhere Gewicht im Vergleich zum Vorgängermodell braucht der Deckel mitsamt Thermometer auch etwas länger zum Aufheizen. Durch die starken Temperaturunterschiede kann das analoge Thermometer auch etwas durcheinander gekommen sein.

Punkt 2: Die Flavorizer Bars

Für mich sind die neuen Flavorizer Bars ebenso ein möglicher Faktor. Die V-Form wurde etwas geweitet, der Winkel also vergrößert. Die Hitze der Brenner steigt nach oben und die Bars funktionieren wie ein Rohr, in dem die Hitze an das vordere und hintere Ende des Grills geleitet wird. Hinten entweicht so vermutlich ein größerer Teil heiße Luft am Lüftungsschlitz (oberhalb vom Rost), die sonst mitten im Garraum aufsteigen würde. Dadurch wird vermutlich auch weniger Hitze um Garraum umgewälzt. Bei starkem Wind könnte dieses Phänomen verstärkt werden, weil ein stärkerer Durchzug herrscht und somit mehr heiße Luft abgetragen wird. Eine mögliche, aber plausibel klingende Folge wäre, dass das Rost schneller “grillbereit” ist, als die Temperatur des Garraum-Thermometers anzeigt.

Punkt 3: Die neuen Brenner

Ich habe lange überlegt, ob ich das Wort “Überoptimierung” auf Papier bringen soll. Aber ob es der passende Begriff ist, da bin ich nach wie vor unschlüssig. Warum? Die Flammen sind konstant gleichfarbig, flackern nicht und man hört auch eigentlich keine Geräusche. Vom technischen Standpunkt also eine solide, saubere und gute Lösung.
Leider sind die Flammen aber recht klein und damit auch anfälliger für Wind. Zudem ist die Anzahl der Flammen vermindert worden, was natürlich auch die Zahl der Heißluftquellen minimiert.
Durch die lineare, gerade Anordnung der Flammenpunkte auf der Oberseite des Brenners wird zudem wenig Hitze an den Flavorizer Bars vorbei geleitet. Die Hitzeübertragung von Flamme auf Flavorizer Bars ist dadurch zwar sehr effizient, es scheint aber weniger Hitze (Abluft) am Rost und im Garraum anzukommen.
Für mich hat sich dieser Eindruck etwas gefestigt, als ich in Grillgruppen auf Facebook die ersten Beiträge von Käufern des Weber Genesis II gesehen habe. Einer dieser hat mit einem Infrarot-Thermometer auf dem Grillrost Temperaturen weit über 330°C gemessen, die Nadel am Garraumthermometer hat die 280°C-Marke (im Januar oder Februar) angeblich aber auch nach über 30 Minuten nicht erreicht.

Punkt 4: Strahlungswärme

Ein Steak in der Pfanne wird durch direkten Kontakt zur heißen Oberfläche gegart. Liegt ein Steak unter einem Oberhitzegrill, absorbiert die Oberfläche vom Fleisch die Strahlungswärme des Brenners. Diese Strahlungswärme wird mit einer großen Fläche erzeugt, denn je größer (und heißer) eine Flamme brennt, desto stärker ist auch die Strahlungswärme. Man kennt das Prinzip vom offenen Kamin im Wohnzimmer: Die heiße Luft und der Rauch ziehen durch den Schornstein ab, die wohlige Strahlungswärme erwärmt alle Gegenstände im nahen Umfeld.
Und was hat das mit dem Grill zu tun? Ganz einfach! Durch die gerade Anordnung der Flammenpunkte auf dem Brenner entstehen weniger und kleinere Flammen als bei bisherigen Brennern, bei denen die Flammenpunkte seitlich angebracht sind. Dadurch entsteht auch weniger Strahlungswärme im Garraum. Inzwischen gibt es Grills, die ganze Platten unter dem Rost haben und eigentlich nicht mehr mit “heißer Luft” grillen, zumindest nicht bei Grillen mit direkter Hitze. Weil durch den kalten Wind die heiße Abluft abgekühlt wurde, hat die geringe Anzahl an Flammen für weniger Strahlungswärme gesorgt. Durch diese fehlende Strahlungswärme brauchen auch andere Objekte im Grill länger zum Aufheizen. Zumindest glaube ich das. ;-)

Interessante Information am Rande: Die drei Hauptbrenner des Weber Genesis E330 der 1. Generation haben 12,5 kW geleistet, der vergleichbare neue Genesis II E340 bringt laut meinen Recherchen 12,4 kW. Insgesamt hat die Leistung trotz größerer Typenbeschreibung also leicht nachgelassen. Ich glaube, dass diese 0,1 kW als reine Leistungsangabe der Flamme aber keinen wirklichen Unterschied machen.

Die Ironie des Ganzen: Alles hat irgendwie seine Vor- und Nachteile.

Das Rost bekommt ausreichend Hitze und mit etwas Geduld entsteht ein schönes Branding. Die weniger steile Neigung der Flavorizer Bars bewirkt durch langsameres Ablaufen ein stärkeres Verbrennen von Fetten und Säften, was Rauch erzeugt und den Geschmack anhebt.

Kalbssteaks vom Weber Genesis IILeider fehlt mir vermutlich aufgrund dieser breiten V-Form aber auch die Hitze (Abluft) um das Rost herum, sodass z.B. ein Steak insgesamt auf weniger Fläche Röstaromen bilden kann.
Auf der anderen Seite muss man zugeben, dass man Temperaturen jenseits der 400°C im Garraum des Grills (oder des Backofens) für den Garvorgang auch selten bis gar nicht braucht – Auch zum ausbrennen bzw. reinigen sind solch hohe Temperaturen zwar schön, aber eben auch nicht zwingend erforderlich. Extreme Temperaturen bzw. die schneller erreichten höheren Temperaturen sparen beim Aufheizen und Ausbrennen einfach etwas Zeit. Ich denke darauf lässt sich das Ganze herunterbrechen. :-)

Ich habe mich mit meinen Bedenken im Hinblick auf diesen Artikel dann direkt an Weber gewandt. Innerhalb weniger Tage kam dann eine Antwort von Simone Weber, Marketing Director für Deutschland.

„Wir haben die Genesis II/LX Gasgrills – wie übrigens alle unsere Gasgrills – so konstruiert, dass sie die bestmögliche Leistung sowohl für jedes Grillgut und Gericht bieten als auch, um die Grillgeräte nach der Anwendung durch den Ausbrennvorgang zu reinigen. In der Grillkammer haben wir Höchsttemperaturen zwischen 321 und 371 Grad gemessen, direkt auf dem Grillrost zwischen 349 und 424 Grad. Diese Werte sind optimal: Für ein perfektes, auf den Punkt gegartes Steak empfehlen wir beispielsweise eine maximale Temperatur von 230 bis 280 Grad zum Angrillen. In diesem Temperaturbereich kommt es zur der Maillard-Reaktion. Sie ist verantwortlich für die perfekte Kruste, die sich beim Angrillen von Fleisch bildet. Ab circa 290 Grad beginnen Verkohlungsprozesse, sofern das Grillgut dieser Temperatur über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist. Wir empfehlen daher, diese hohen Temperaturen ausschließlich zum Ausbrennen und zum Beseitigen von Grillgutrückständen einzusetzen.
Die erreichte Temperatur ist natürlich nicht nur von der Leistung des Grills abhängig, sondern auch von äußeren Faktoren wie z.B. der Umgebungstemperatur oder der Windstärke. Zudem ist es unerlässlich, den Deckel während des Grillvorgangs geschlossen zu halten. Andernfalls kann kalte Luft eindringen oder Hitze entweichen, so dass die Temperatur schneller sinkt als gewünscht.“

– Simone Weber, Marketing Director Germany, Weber Stephen Deutschland GmbH

Für dieses ausführliche Statement möchte ich mich auf jeden Fall herzlich bedanken. Ich stimme in eigentlich allen Punkten zu, bis auf die Theorie mit dem Verkohlungsprozess ab 290°C; das würde nämlich meinem Beefer bei 800°C die Daseinsberechtigung nehmen. ;-) Wie praxisnah das Grillen mit offenem Deckel ist, lässt sich schwer beurteilen – Die meisten kurzgebratenen Gerichte grille ich jedenfalls mit offenem Deckel, aber hier gibt es ja bekanntermaßen unzählige Philosophien. Die restlichen Aussagen finde ich sinnig und kann sie im Bezug auf die Leistung des Grills auch voll nachvollziehen.

Ich glaube beim Genesis II (LX) muss man sich aufgrund der Brennerkonstruktion im klaren sein, dass der Grill anscheinend ein paar Minuten länger braucht als vergleichbare Modelle. Das gilt, zumindest was meine Erfahrungswerte angeht, für das Aufheizen und vermutlich dann auch für das Ausbrennen. Wer diese Zeit opfern kann und keinen Grill mit extremer Hitze sucht, kann mit dem Genesis II auf jeden Fall glücklich werden. Bei normalen Wetterbedingungen für den Durchschnittsgriller sollte der Grill viel schneller auf Betriebstemperatur sein.

Ich hoffe, Ihr konntet Euch vom Weber Genesis II ein Bild machen. Bitte habt Verständnis dafür, dass ich unter den schwierigen Bedingungen kein finales “Urteil” abgeben kann und der Text eigentlich nur aus Mutmaßungen besteht. ;-) Hier findet Ihr noch ein paar Bilder des Events:

Besonderer Dank geht an Weber, nicht nur für die Einladung und das sehr schöne Wochenende, sondern auch für den konstruktiven Austausch im Bezug auf die Temperatur-Thematik. ;-)

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